Heute war ein guter Tag

„Heute war ein guter Tag, ich habe einen Satz geschrieben.“

Keinen blassen Dunst von wem dieser kluge, wenn auch nicht unbedingt aufbauende Satz ist. Natürlich könnte ich das nachschlagen; zumal es in der heutigen Zeit keine vertretbare Begründung, also Ausrede, dafür gibt, dies nicht zu tun. Nein heutzutage gilt es bei solchem Unwissen nur ehrlich zu sein und zu zugeben, es im Grunde gar nicht wissen zu wollen, sei es aus Faulheit oder Ignoranz; Faulheit in meinem Fall.

Schreibblockaden gehören natürlich zum kreativen Alltag dazu; schließlich kann einen die Muse nicht immer gleich gut küssen. Ab und an hat sie auch mal schlechten Atem oder beißt einem gar ein Stück Lippe ab. Die Muse scheint ein launisches Biest…

Die Muse ist verschwägert mit der Selbstreflektion, die einem ihrerseits nicht nur zuweilen brauchbare Charaktereinsichten liefert, sondern unter Umständen den gesamten Schreibprozess um ganze Abschnitte, ja sogar Kapitel zurückwirft, da man sich vor lauter Reflektiererei im selbstgebauten Spiegelkabinett verirrt und anstatt neuer Charaktere nur noch Vorwürfe und Verunsicherungen Blüten tragen; ja ganze Wälder entstehen. Buchenwälder, in welche kaum noch Lichteinflüsse und Wasser dringen können, sind sie erstmal dicht genug, so dass jedes neue Samenkorn schon vor dem Aufbrechen verdorren muss oder verpflichtet wird auszuharren bis es einst an einen geeigneteren Ort getragen wird.

Dunkle, kalte, beängstigende Wortschleifen-, Satzfetzen-, Sackgassenwälder…

Um die Familie noch zu vergrößern, gesellt sich nur zu gern auch Großvater „Gefahr des Plagiats“ hinzu oder um es mit den Worten der Literaturwissenschaft auszudrücken: Intertextualität. Schließlich ist es kein Ideenklau, wenn es Nachahmung ist, um einen geliebten Künstler zu ehren. Eine Hommage, eine Verbeugung, ein Kniefall, ein Sich-Davon-Schleichen um aus alten Gedanken neue Kunst zu schaffen… man sollte sich des Ursprungs seiner Einfälle lediglich bewusst bleiben.

Mit dem Drama des sich festgefahrenen Schaffens fließen natürlicherweise gute Ratschläge diesem zu entkommen zusammen und bilden so eine „an den eigenen Haaren aus dem Treibsand ziehen wollen“ Sachlage, deren Ausgang den geneigten Leser vor die schiere Unmöglichkeit der Interpretation des gegebenen Textes stellt… nicht immer wird es so deutlich wie in diesem kleinen Werk, dass man gemeinsam mit dem Künstler nur gegen Wände laufen oder sich im Buchenwald der Verdammnis wiederfinden kann!

Nun fehlt noch ein Ende. Was öfter als selten der Anfang vom Ende ist, also wenn das Ende klar ist, der Anfang schön geworden und der ganze Rest dazwischen hingt, womit wir wieder bei „Heute war ein guter Tag“ sind.

In der Stille

In der Küche sitzend auf ihrem Platz
Im Haus, welches gleich geblieben seit Zwanzig Jahren
Alles an Ort und Stelle
Blind könnte man hier agieren
Unverändert jedes Stück
Fest sind noch immer alle Zeiten

Frühstück 8uhr – die ganze Familie
Mittag 12.30uhr – die ganze Familie
Kaffeepause 15uhr – die ganze Familie
Abendbrot 18uhr – „wer nicht da ist, der nicht mitisst“

Wie fast immer isst er im Wohnzimmer
Wie so oft poltert der Andere noch durch die Stadt
Wie bisher noch nie, wird sie nicht mehr zu Tisch kommen

Der Fernseher dröhnt zu laut im Hintergrund
Der Kühlschrank gurgelt leise
Die Wanduhr geht Fünf Minuten vor
Im Schneidersitz belege ich ihren Platz
Umgeben von lächelnden Gesichtern hinter verstaubtem Glas

Die Realität hat mich nun endlich erreicht

Die Stille ist zu laut

(23.03.2017)

aus Jugendtagen

Die Jugend ist meist so allwissend, daß sie alles weiß, bis auf eines: daß auch einmal die Alten allwissend waren, bis sie wirklich alles wußten. (E. Hemingway)

Ohne Titel

ich du er sie es

wir ihr sie

immer dieselben

nirgends ein Wandel

ich unten du oben

wir am Ende

ihr seid Schuld oder nur sie

oder du oder ich oder wir

vielleicht auch keiner

(19.08.2004)

Wenn man das Schlechte weglässt, geht’s mir gut… von einem Leben in Floskeln

Meine Oma hatte für fast jede Lebenssituation eine passende Redensart… und so wurde ich auch geprägt durch ihre Teilhabe an meiner Erziehung und wuchs auf unter ihren wachsamen Augen, mit dem Reglement von Herrn von Knigge, stets gepaart mit einprägsamen Floskeln und dem Hinweis langsam und laut zu sprechen – nicht dass mir dies je gelungen wäre; ich sprach stets zu schnell und zu leise, später oft zu laut, aber immer noch zu schnell…

Zog ich nun eine Schnute, da mir was nicht passte, hieß es also „Da ist die Zuckerpuppe von der Bauchtanztruppe…“

Ein Streit unter Geschwistern wurde mit „Ein Bruder und ’ne Schwester, nichts schön’res auf der Welt…“ kommentiert.

Hatte ich mich verletzt, so war es „bis zur Hochzeit wieder gut“.

Wollte ich einer Sache mit Argumentation entgehen, wurde ich daran erinnert „warum der Teufel seine Großmutter erschlagen hat“.

Geriet man in Zeitnot so sollte man „nur keine Hektik nicht vermeiden“ und außerdem „fangen morgen wieder Hundert Tage an“.

War ich für bestimmte Dinge noch zu jung, so durfte ich zwar „alles essen, aber nicht alles wissen“.

Am Tisch sitzend, wurde stets darauf geachtet, dass man „den Löffel zum Mund und nicht den Mund zum Löffel führt“.

und so weiter und so fort…

Da wir in einer Welt der Redewendungen zu leben scheinen, sog ich diese natürlich nicht nur bei meiner Oma in mich auf.

Noch heute kann ich nicht anders handeln, als mit meinem Gegenüber mein Essen oder dergleichen zu teilen, denn die Schallplatte, die bei uns vermutlich auf Dauerschleife gelaufen sein muss, löste in mir fast schon einen pawlowschen Reflex aus, denn „teilen macht Spaß, wir teilen dies und das.“

Man kann sich natürlich streiten, wie viel Gewicht Floskeln in der eigenen Lebensführung einnehmen sollten und oft genug sind es sicher diese „formelhaften, leeren Redewendungen“, vor denen im Duden gewarnt wird. Doch wenn es darum geht, dass allgemeine Miteinander nach der Prämisse des „behandle andere so, wie auch du behandelt werden willst“ zu gestalten und sich auch durch schwieriger Zeiten nicht unterkriegen zu lassen, denn „am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, so ist es noch nicht zu ende.“ haben manche klugen Sprüche durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Und wenn es nur darum geht unbequemen Fragen, wie die nach dem eigenen Wohlbefinden mit den Worten „wenn man das schlechte weglässt, geht’s mir gut“ zu umwandern, damit man sich auf die schönen Dinge konzentrieren kann, so wie Oma es letztendlich tat oder eben das Gespräch mit einer augenzwinkernden Aufforderung zur Tätigkeit zu beenden durch den Ausspruch „mach heute noch was, dann brauch ich es nicht zu tun.“

Eine Weisheit für jede passende und unpassende Gelegenheit liegt auch mir tagtäglich auf der Zunge und ich werfe ungefragt mit diesen um mich. Denn man sollte ruhig angesehenen Menschen mit ihren ebenso ansehenswerten Aussagen huldigen…

schließlich sagte schon Heine: „Weise erdenken neue Gedanken, und Narren verbreiten sie.“

 

vom Wandern, Warten und Davonlaufen

„Es gibt zwei Sorten von Ratten:/ Die hungrigen und die satten./ Die satten bleiben vergnügt zu Haus,/ Die hungrigen aber wandern aus.“ (H. Heine)

Für mich ist Wandern eine Form von Therapie… das stete Fortbewegen hat etwas Beruhigendes an sich; zumindest für mich.

Seit wann die Wanderung mehr als nur der bloße Wechsel der Position im weiten Raum, das Ergründen der näheren und weiteren Umgebung, das Betrachten – zuweilen sogar Bewundern – der Umwelt… der Welt um mich herum… bedeutet, kann ich nicht mehr sagen.

Die Frage nach dem wann stellt sich mir in diesem Zusammenhang auch nicht.

Was aber klar ist und besonders in letzter Zeit immer deutlicher wird… ich wandere, wenn ich warten muss.

Warten ohne Zutun, ohne Einfluss… ohne Ende.

Ein Gefühl von Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Nutzlosigkeit… warten ist wie sich im Kreise drehen…

In diesem Zusammenhang stelle ich mir die Frage nach dem wann, dem seit wann und dem bis wann.

Zu oft weiß ich kaum mehr, worauf ich eigentlich warte… noch warte.

Doch in der ständigen Bewegung, dem Gefühl des Vorankommens, des Ankommens lässt sich die Warterei nicht nur ertragen, sondern ergründen… ich muss nur weit genug laufen und hoffen, nicht lediglich davon zu laufen.

ver-Abschied-en

Abschied ist etwas Unschönes; ganz gleich, wie alt man ist oder wie viel „Erfahrung“ man damit zu haben glaubt.

Erreicht man aber erstmal dieses Alter, welches nach den Kindheitstagen mit deren Unbeschwertheit und nach der Jugend samt ihrer Ruhelosigkeit folgt, merkt man (merke ich), dass Abschied, dass das Ende von Dingen, Erinnerungen, Menschen, Liebgewonnenen eine Notwendigkeit des Lebens darstellt und dass man den Abschied, das Verabschieden, das Abschiednehmen sogar verkraften lernt; mit der Zeit.

Das macht es kaum leichter, lediglich klarer!

Abschied kommt, wenn die Kraft fehlt, weiterhin festzuhalten.

Abschied bringt Veränderungen; das Entwinden verknüpfter Lebenswege.

Abschied tut weh!

Abschied sollte wehtun, sonst würde man sich selbst mit verlieren beim Abschiednehmen.

Am Abschied kann man wachsen.

Es tut trotzdem weh!

Wenn man lange genug lebt, erkennt man (versuche ich zu erkennen), dass Abschied auch etwas Befreiendes haben kann. Wenn nicht für einen selbst, so doch zuweilen für den sich Verabschiedenden. Denn manchmal muss man sich lösen, um weiterzugehen, um zu wachsen.

Und versteht man das, wächst man auch als Zurückgelassener.

Ein Blick

Nur ein Blick…

Wer ist diese Person, welche mich so eindringlich ansieht?

Es muss eine Frau sein, zumindest geht man nach den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen… sicher diese geben keine eindeutige Zuordnung preis, doch auch die Breite des Beckens und die Form der Taille sprechen dafür.

Ihr Alter kaum zu erahnen; älter inzwischen, wenn den ersten Falten, die eventuell zum Lachen anregen, aber nicht davon herrühren und den vereinzelten, weil schon länger nicht mit Farbe verjüngten, grauen Haaren zu trauen ist.

Starr und gleichzeitig fliehend ihr Blick; mit müden Augen, in denen noch die Glut eines einstigen Aufruhrs zu liegen scheint.

Ein Gesichtsausdruck ohne die Gedanken dahinter wirklich zu verraten.

Die Körperhaltung mehr einer Krümmung gleich; die Muskulatur stets unter Spannung gepaart mit der Leichtigkeit eines Tieres auf der Flucht.

Ein Fluchttier; sich nie sicher fühlend, ständig auf dem Sprung befindlich und permanent in die Ecke gedrängt.

„Im Leben ist es wichtig sich einfach zu schütteln und unbeirrt voranzuschreiten, stößt man auf Hindernisse! … Sie machen auf mich den Eindruck genau das zu tun.“

Ein kurzes Lächeln zu dem Gegenüber bevor der Blick zurück zum Spiegel schweift.

Das Photo

Tage waren bereits vergangen seit ihrem Fortgang; ihrem Antritt des letztmöglichen Weges. Tage hatte ich mit warten verbracht.

Zu warten war keine neue Erfahrung, aber dieses spezielle Warten… wie bestellt und nicht abgeholt… Tage voller Beschäftigung und doch konnte ich mich nicht bewegen. Ein Stillstand, dem Warten gleich in dessen Unbekanntheit.

Stille in aller Unruhe… vollkommene Ruhe im geschäftigen Treiben um mich herum… und nur dieses Warten.

Das Auswählen der Kleidung ein Kampf. Was ist angebracht? Nie hatte ich ernsthaft darüber nachgedacht; immer gehofft es niemals zu müssen. Vermutlich war es schließlich zu viel des Guten; alles in schwarz bis herunter zur Wäsche… doch ich wusste nicht was tun.

Quälende Fragen nach den richtigen Worten. Welche sind angebracht? In den Tagen voll des Wartens hatte ich nicht daran gedacht, dass auch Worte wohl dazu gehören. Letztlich hüllte ich mich in Schweigen… ich schwieg und blieb scheinbar regungslos… ein Warten ohne zu wissen worauf,

bis ich das Photo sah, welches auf dem Sargdeckel thronte und mir mit einem verschmitzten Lächeln entgegenblickte.

Ich hatte dieses Bild vorher nie gesehen, es muss einige Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte alt gewesen sein… auf dem ersten Blick wirkte sie fast zu ernst; ein wenig verklärt sogar… maskenhaft… doch dann diesen feine Lächeln; der rechte Mundwinkel leicht erhoben… und mit einem Male konnte ich es auch in ihren Augen sehen, welche so unbekannt klar erschienen… so klar, fast prüfend und doch amüsiert; ganz wie ich sie in ferner Erinnerung hatte.

Erinnerungen lösten die Stille und das Warten ab… gefolgt von der Gewissheit, dass die Stille und das Warten nun meine Begleiter sein werden bis ich sie einst wiedertreffe…

Wort-Spiel-erei

SELBST

Selbstverständnis                     Verstand

Selbstvertrauen                          vertraut

Selbstzweifel                      zweifelsohne

Selbstwertgefühl                        wertvoll

Selbstbewusst                     Bewusstsein

Selbstschutz                             schutzlos

Selbstlos                                     losgelöst

Selbstzweck                               zwecklos

Selbstsicher                            Sicherheit

Selbsthilfe                                      hilflos

Selbstsucht                                   süchtig

Selbstversuch                                 Suche

Selbstkritik                                       Krise

Selbstmord                                   modrig

Selbstständig                           standhaft

Selbstbild                                      Bildnis

Selbsterkenntnis                   Kunstgriff

zur Kunstsammlung Katze4

Vom Warten

ach wäre ich schon da…. angekommen…. am Ziel

den Weg erfolgreich beschritten…. hinter mir gelassen

nicht abgelenkt vom Leben…. nicht abgekommen vom Pfad

ach wäre ich schon da…. ach wüsste ich wohin…. ach hätte ich ein Ziel

 

zur Kunstsammlung Katze4

Vom Be-Schreiben

Ich war früher nie ein großer Freund von Beschreibungen; weder im Text noch im Leben.

Zu genaue Beschreibungen im Text haben mich schnell abgelenkt und im Leben war ich selten dazu in der Lage diese abzuliefern. Für mich ist alles Gefühl und es fällt mir auch schwer dessen Ursprung mit, für alle anderen, verständlichen Worten auszukleiden.Gefühl ist Überwältigung, Sachinformation lässt sich mit Abstand betrachten; das fällt mir leicht.

Doch was ist nun die Wichtigkeit hinter detaillierten Ausführungen, wenn sie keinen reinen Selbstzweck haben sollen? Was macht sie so wichtig für das Verständnis von Texten und von Unterhaltungen?

Eine Frage, der ich mich mittlerweile gestellt habe oder vielmehr versuche zu stellen, denn sind wir mal ganz ehrlich: sie liegt mir nicht.

Die Welt als solches wird stets gefiltert durch unsere Erinnerungen, Erfahrungen, Erwartungen, unser Verstehen vom Großen Ganzen unseres kleinen eigenen Universums. Somit erscheinen die Dinge und Menschen, welche einem beschreibswert erscheinen, wandelbar und immer auch abhängig von den Augen des Betrachters. Jeder lebt in seiner ganz eigenen Version der Realität und solange diese relativ deckungsgleich zueinander sind, kommen wir alle zurecht.

In Texten muss die genaue Beschreibung zweckdienlich sein, ansonsten läuft der Autor Gefahr den Leser auf halber Strecke zu verlieren. Alles was beschrieben wird, erhält eine ganz eigene Wichtigkeit und der aufmerksame Leser erkennt durch diese schließlich die Subtexte hinter dem Hauptaugenmerk; andere Lesarten, ja ganz neue Geschichten tun sich auf…

Beschreibungen sollten immer dem Zweck dienen den Gegenüber in die eigene emotionale Welt zu führen; zumindest meiner Meinung nach. Denn man beschreibt, was einen bewegt – den Rest nimmt man nicht oder nur nebenher wahr.

Es wird also beschrieben, was bewegen soll, wenn nicht, bleibt nur die Blümchenkante und diese unterscheidet auch das Belanglose aneinanderreihen von Worten vom Text und den Smalltalk von der Unterhaltung.

Nicht mehr ganz Momentan

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.(Lucius Annaeus Seneca)

Nicht mehr ganz Momentan

„Opa fragt, wann du das nächste Mal herkommst.“ „Im März… Ende März…“ „Das ist schön, dann können wir auf der Terrasse sitzen, dann ist es schon wärmer… so, mach noch was heute, dann brauch ich‘s nicht zu tun“ „Ach ich weiß nicht… keine große Lust.“ „Opa meint, du kannst deine Freundin mitbringen.“ „Ui, ehm, ich frag sie mal… allerdings wollte ich lieber für mich wandern.“ „Ja, das machst du richtig… mach heute noch was, dann brauch ich es nicht zu tun.“ „Wir können uns die Arbeit ja teilen, dann brauchen wir beide nicht so viel zu machen.“ „Ja, das stimmt. Gut, mach heute Abend noch was, dann brauch ich es nicht zu tun… ich hab nämlich keine Lust dazu.“  „Da sind wir schon zu zweit… macht‘s gut.“ „Schlaf schön.“ „Ja, ihr auch.“

Oma dreht sich noch stärker geistig im Kreise als ich. Aber ich werde sie noch einholen und dann drehen wir Pirouetten um uns herum.

Ich mag diese Vorstellung nicht.

Und der Gedankengang war wieder einmal gegen eine Wand gelaufen. Sie konnte sich nicht mehr konzentrieren… ein Leben im Moment… und doch verzerrt… nicht der Moment, nur eine Aufnahme dessen, was ist, was war, was kommen mag… Sie konnte es nicht mehr greifen, nicht mehr begreifen. Sich nur in eigenen Kreisen drehen, ohne Hoffnung auf ein Ziel… jedes Gespräch mit ihrer Oma schmerzte, denn sie erkannte diese kaum noch… nur noch ein Schatten ihrer selbst… sich ständig wiederholend… in Phrasen, in Erinnerungsfetzen, in Fragen.

Ihr ging es inzwischen nur allzu oft erschreckend ähnlich.  Wenn Unterhaltungen mit ihrer Großmutter zu Traurigkeit führten, dann brachten Gespräche, Momente mit Anderen Gleichgültigkeit gefolgt von Zweifeln.

Momentaufnahmen, wie eine flackernde Neonröhre… grell, verwirrend und unterbrochen…

Was für ein Tag ist heute? …  Weihnachten …. Warum? Baumschmuck… Was für ein Tag ist heute? … Silvester… Warum? Feuerwerke. Wieso bin ich hier? … Familienfeier….Warum? Ich weiß es nicht mehr.

„Es ist Weihnachten. Es ist Weihnachten. Es ist Weihnachten.“ „Es ist… es ist… es ist…“ „Warum?“

Auch die Stimmen in ihrem Kopf bekamen die Tage nur noch mit Mühe auseinander. Blickte sie in sich hinein so war alles Nebel. Alles war Kreisbewegung. Nichts von Bedeutung. Ein Warten ohne zu wissen worauf.

Es ist Biochemie… Könnte ich ein typisches Leben führen, wäre mein Geist nicht so verklebt? Nein. Weshalb? Auch ohne den Nebel gab es keinerlei  Klarheit. Auch ohne das Kreisen war es ein Rennen im Stillstand. Auch mit Zeitwahrnehmung gab es kein Dabeisein… immer nur ein Danebenstehen… ein Versuchen… ein Nichtverstehen. Schon immer war es diesen Leben. Schon immer war es gut. Schon immer war es die Hölle. Noch nie war es „typisch“. Der Nebel macht das Ganze nur klarer. Oma ist lediglich ein Spiegelbild.

„Es ist Silvester. Silvester. Silvester.“

Mach noch was, dann brauche ich es nicht zu tun.                                                                         (02.01.2017)

 

Momentaufnahme

Lebe nur im Augenblick sagen sie…

Blicke nie zurück…

Träume nicht nach vorn…

Alles was Bedeutung hat, ist der Moment!

Doch…

Betrachte ihn nicht von allen Seiten… du verschreckst ihn bloß

Halte dich nicht an ihm fest… er verblasst zwischen den Fingern

Teile den Moment mit anderen… so bleibt er im Gedächnis

zur Kunstsammlung Katze4

Es war einmal…

Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken. Poesie aber ist Märchen. (J.W. Goethe)

Ich mochte unseren Familien-Weihnachtsbaum.

Wenn ich angestrengt nachdenke, erinnere ich mich sogar an die Zeit, da dieser nicht künstlich war. Da er echte Nadeln abwurf nach den Feiertagen und da es richtige Kerzen waren, die mein Kinderherz erwärmten. … An einen natürlichen Geruch nach Wald, fast modrig und doch einladend, kann ich mich nicht entsinnen, aber sicher gab es diesen.

Der Baum war geschmückt mit Glaskugeln, ob die Holzfiguren und das Lametta noch zur Zeit des echten Baumes gehörten, weiß ich nicht, aber die Kugeln aus Glas, welche zu leicht zerbrachen, erinnere ich…

Als die Zeit ins Land zog und uns die Moderne erreichte, veränderte sich nicht nur das Fernsehprogramm sondern auch der Baum wurde künstlich und überladen; mit eben jenen Glaskugeln, Holzfiguren, silberner Lametta und einer Lichterkette, die keine Brandgefahr mehr darstellte. Der Standfuß wurde zusammengesteckt genau wie die zwei Hälften des Baumes und nach Ausrichten der Äste wurde dieser kleine, aber haltbare Baum stets am Heiligen Abend geschmückt und am Neujahrstag wieder in den Karton getan.

Ich mochte auch diesen Baum. Er stellte ein Sinnbild für das Vergehen dar, für die Veränderung um uns herum… so wurde ja schließlich aus den Glaskugeln mit der Zeit Plastik, aus Lametten eine Perlenkette und aus echten Kerzen Kunstlicht. Denn Plastik erschien nicht so zerbrechlich wie das Glas und die Familie, die nicht immer gemeinsam um den Baum herum sitzen konnte. Die Perlenkette hielt zusammen wie die Menschen, welche trotz der Realität, die auch zu Weihnachten einzug hielt, immer wieder zueinander fanden. Und das künstliche Licht, ähnlich der Feiernden, konnte nicht wie die Kerzen von einem stärkeren Windstoß erloschen werden oder gar den Baum und das Zuhause entzünden.

Zwangig Jahre hielt der Baum; auch wenn die Nadeln letztlich abzufallen begannen. Stets zeigte er sich unverändert und doch immer der Familienstimmung angepasst in einem anderen Kleid. Immer von Heiligabend bis zum Neujahrtag.

vom Grübeln

Das Denken ist das Selbstgespräch der Seele. (Plato)

Dumm nur, wenn sie ständig Widerworte gibt und du dich einem steten Streichgespräch mit dir selbst ausgesetzt siehst.

Oft sind es nicht einmal die eigenen Zweifel sondern vielmehr Wiederholungen dessen, was Andere einem einzureden versuchen – man erkennt das an den unterschiedlichen Stimmfärbungen… oder sollte ich mir Sorgen machen?

Wir sind geprägt von unseren Mitmenschen, ob wir wollen oder nicht. Tragischerweise reicht dieser Umwelteinfluss auch ins Erwachsenenleben hinein. Nur dass sich dies keiner mehr eingestehen möchte. Schließlich sollte man als Erwachsener doch über den Dingen und vor allem den Kindereien stehen… Kindereien – Kindheitstrauma… wer sollte das schon unterscheiden wollen?

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wenn ich auf Personen treffe, die dem Dilemma der aus Kindertagen mitgenommenen Selbstzweifel oder schlicht eingeprägten Handlungsmustern mit komplettem Unverständnis gegenüberstehen und sich selbst natürlich vollständig von solch Absurditäten verbal abgrenzen, wenn es doch mehr als offensichtlich ist, dass es ihnen eben nicht besser geht. Und das ist auch vollkommen in Ordnung, egal was man/ihr euch einredet!

Selbstzweifel sind dazu da überwunden zu werden. Doch niemand sollte und kann erwarten, dass das mit dem Eintritt ins sogeannte Erwachsensein getan ist. Das verlangt Arbeit, Selbst-Gespräche und in erster Linie das Wissen darüber, dass sie existieren und verarbeitet gehören.

Gut Schreiben ist fast wie Denken – zuweilen reine Glückssache

Die Idee hinter dieser großartigen Website und dem inkludierten Blog war das Schreiben, das Mitteilen über die eine Geschichte meines Lebens hinaus… ob es gelingt, bleibt abzuwarten…

Kopfweh

sprach  mit dir

und so manch anderem

hörte viel

verstand so wenig

du sagtest was

und sprachst kein Wort

als Kind, ich war kaum 10, da fiel ich mal vom Rad

(10.10.2004)

Blog? What Blog?

Ein Kluger bemerkt alles. Ein Dummer macht über alles eine Bemerkung.
(H. Heine)

Dieses Bedürfnis „Etwas“ zu leisten, ist es angeboren oder anerzogen?

Haben wir das alle?

Gut, die zweite Frage zu beantworten, schließt die erste sicher nicht unbedingt aus; hach diese alte Diskussion zum Thema anerzogen oder genetisch eingebettet?! Um nicht völlig vom Thema abzuweichen -es ist wohl eine Mischung aus beidem anzunehmen… wobei das Anerzogene und Erlebte durch eine Art genetischen Filter betrachtet und bewertet wird.

Zurück zum Thema:
Wie würde die Welt aussehen, wenn alle 6 bis 7 Milliarden Menschen etwas leisten könnten, was für die Welt von Bedeutung ist? Es gäbe nichts mehr von Bedeutung, wenn alles von Bedeutung ist.

Und das ist wäre tragisch!

Es obliegt nunmal lediglich einer Handvoll von Menschen es in sich zu tragen und was vielleicht noch wichtiger ist, die Gelegenheit zu bekommen bedeutsames, sei es nun gut oder verherrend, zu leisten.

Das bedeutet keinesfalls, dass man nicht das besondere eigene „etwas“ suchen sollte und wenn das nur heißt, der Langeweile entgegenzutreten, welche einem das alltägliche Leben so bieten kann.

Auch der Einfluss auf die eigene, kleine Umwelt, in der man sich bewegt, darf nicht unterschätzt werden. Oftmals bemerkt man diesen gar nicht gleich, doch der Einfluss ist immer da!

Und wenn man diesen kennen und vorallem schätzen lernt, kann man im Kleinen viel erreichen- ein Lächeln, ein guter Tag; was doch für einen selbst und für die Menschen oder Lebewesen und Dinge um einen herum durchaus etwas Großes sein kann.