unsere letzten Worte

und nun bald nach zwei Jahren ohne Dich kann ich es nicht vergessen unser letztes Gespräch…

„Opa fragt, wann du das nächste Mal herkommst.“ „Im März… Ende März…“ „Das ist schön, dann können wir auf der Terrasse sitzen, dann ist es schon wärmer… so, mach noch was heute, dann brauch ich‘s nicht zu tun“ „Ach ich weiß nicht… keine große Lust.“ „Opa meint, du kannst deine Freundin mitbringen.“ „Ui, ehm, ich frag sie mal… allerdings wollte ich lieber für mich wandern.“ „Ja, das machst du richtig… mach heute noch was, dann brauch ich es nicht zu tun.“ „Wir können uns die Arbeit ja teilen, dann brauchen wir beide nicht so viel zu machen.“ „Ja, das stimmt. Gut, mach heute Abend noch was, dann brauch ich es nicht zu tun… ich hab nämlich keine Lust dazu.“ „Da sind wir schon zu zweit… macht‘s gut.“ „Schlaf schön.“ „Ja, ihr auch.“

…vielleicht sollte ich mich fragen, ob ich es hätte ahnen sollen, dass wir es nicht mehr schaffen würden noch einmal zusammen auf der Terrasse zu sitzen – Kaffee zu trinken, Halma zu spielen oder Karten, über Nichts zu reden und über Alles, gemeinsam zu lachen und zu schweigen…

…ich brauche mich nicht zu fragen, ob ich es hätte ahnen sollen – ich wusste es genau! und unser Gesprächskreisel drehte sich aus Verzweiflung – aus Deiner, da Du nicht mehr recht wusstest was Ist und was Wird und aus meiner, da ich nicht loslassen wollte…

…es ist so merkwürdig ohne Dich, denn ich kann Deine Nähe stets spüren. Du begleitest mich und ich erzähle Dir noch immer Alles und Nichts – ich kann Dich nicht vermissen, denn ich will Dich nicht vergessen…

…nur wenn ich zurückkehre zu diesem nun so leeren und doch nie unbewohnten Haus, zu dem Zuhause, in dem ich immer Zugast war und es nun nicht mehr sein will und doch muss.
Das Haus mit den Zurückgelassenen, den ohne Dich verlorenen Seelen.
Das Haus, das immer gleich war und nun nicht mehr zu erkennen ist.
Das Haus, in dem ich Dich nie spüren kann, in dem mir auffällt, dass Du fehlst… wenn ich mich dann erinnere… wenn ich Dich vermisse… wenn ich mir dann doch für einen Moment wünsche, ich hätte mehr aus unserem letzten Gespräch gemacht.

 

 

 

nun nach 424 Tagen

das Alles – noch gleich

das Alles – wie es immer war

das Alles – nach altbekannten Rhythmen

all das… es ist nicht mehr

wird nicht mehr

nicht mehr so ganz

 

bloß noch Spuren vom War

schon ausgedünnt, ausgefranst

bald entrückt, verzerrt, verschoben

 

eine neue Realität, ein Schmerz, ein sich-damit-abfinden-müssen

ein vor-antwortlosen-Fragen-stehen

 

eine viel zu laute Stille

eine unerträgliche Leere im voll besetztem Haus

eine unliebsame Veränderung

ein notwendiger Wandel

 

ein nun – immer –  noch

nach 424 Tagen ohne Sie

.

.

.

Katze4

in der Stille

nun

noch zu Gast?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

im Selbst_Gespräch Tag 3_Szene im Zug auf dem Weg zurück nach Vorn

zum Rest der Geschichte

Katze4im Selbst_Gespräch

Tag 3

Szene im Zug auf dem Weg zurück nach Vorn

Die Ohren verstopft, sitzt er da.

Sitzt zusammengefaltet auf einem Fensterplatz.

Sitzt eingeengt im übervollen Wagon.

Sitzt vor den leeren Seiten seines Notizbuchs.

Im Kopf noch die letzte Nacht, die sich zog wie Hundert Tage. In Erinnerung – ganz klar, ganz deutlich, fast schillernd – die Fähigkeit zu Schreiben… die Kraft gewählte Gedankengänge in kunstvolle Bahnen zu lenken… die Mittel Worte zu Formen, zu Fügen, zu Halten… das Bedürfnis endlich wieder Autor sein zu wollen… der Wunsch den ausgesuchten Weg zu gehen… die Hoffnung… die Hoffnung… die Hoffnung… auf was nochmal?

Den Füllfederhalter im starren Griff bereit, so wie die unbeschriebenen Blätter im Schoß. Bereit die Gedankenstapel, die Gefühlswirren und Wortgedichte aufzunehmen; sie festzuhalten für die Ewigkeit. Nur, der Autor wagt es nicht dem Schreibgerät die Hand zu führen… bald schon zittern die verkrampften Finger… bald schon stößt er laut seinem Atem aus… bald schon flucht er deutlich hörbar durch verkniffene Lippen… bald schon spürt er die Blicke der anderen Fahrgäste.

Leicht peinlich berührt, packt er seine Utensilien zusammen, wendet sich zum Fenster, betrachtet den Fahrtweg, die Natur, sein Spiegelbild… das Gesicht eines Fremden.

Befremdlich die Züge, die alles Infragestellen… die sich zu wundern scheinen… die unberührt den Wundern gegenüber nur noch Zweifeln, nur noch sind. Die Stirn in Falten gezogen, mit sich fast berührenden Brauen, mit halb geschlossenen Augen, mit schmalen Lippen, die das Lächeln vergessen haben.

Denn in dieser Nacht wie vor Hundert Tagen blieb er erstmals für sich. Blieb er ohne Traum an sie… fand keine Spur von ihr… führte die Gespräche bloß noch mit sich selbst… konnte sich nicht vormachen, sie würde stets an seiner Seite sein – seine Geliebte, seine Liebe, seine Muse.

Unter dem bedrückenden Blick seines fremden Selbst rutscht er weiter in sich zusammen, macht sich kleiner, will versinken… sich verstecken… bis der Fahrgast zu seiner Rechten ihn unwirsch anstößt, ihn finster anblickt, ihn unfreiwillig rettet vor sich selbst.

Nein, er will nicht so sein, wie der Fremde, wollte es nie… ein Verschließen der Augen, ein weiterer tiefer Atemzug, ein Erinnern daran, weshalb er in den Zug gestiegen war… er wird sie wiederfinden – seine Muse, seine Geliebte, seine Liebe – und so auch sich selbst.

Fortsetzung folgt

im Selbst_Gespräch…Szene auf belaubten Wegen

Den letzten Schluck seines zweifach aufgebrühten Kaffees hinterschüttend, gönnt sich der Autor noch einen Blick auf den leeren – den verlassenen – Sofaplatz links von sich; atmet er nochmals ihren allmählich verblassenden Duft ein; führt sich zum unzähligen Male ihr Lächeln vor Augen.

Die Sonne steht nun hoch am wolkenverhangenen Himmel – müsste hoch stehen, laut der Wanduhr – und dem Autor ist nach Flucht. Flucht vor der Leere… der Stille… dem Warten. Er würde tätig werden!

Die müden Knochen erhebend – ein Stöhnen nicht unterdrücken könnend – in die viel getragenen, weil geliebten, Hosen steigend, das leicht zerschlissenene, aber sicher wärmende Hemd unter der schon gebraucht gekauften, dennoch neu wirkenden Jacke verhüllend, zieht es ihn nach draußen.

Er flieht in die kühle Herbstluft… in den Nieselregen… zu den mit Laub bedeckten Wegen.

Das Rascheln seiner Schritte übertönt vom Lärm des Verkehrs, unterdrückt von der Feuchte der Luft – ein schmatzendes Geräusch unter den Schuhen nur zu vermuten – kommt der Autor vor einem Laubhaufen zum stehen, kniet sich ächzend nieder und betrachtet den Blätterberg vor sich. Nicht der Anmut, nicht die Farbenpracht eines goldenen Herbstes – kein Rot, weder in Kamin noch Wein, kein sattes Gelb, kein Ocker – braun, in hell und dunkel, ja grau sogar, bald vollständig vertrocknend auf nassem Boden, löchrig, mit schwarzen Flecken besprenkelt, angerissenen, zertreten; Spuren des Vergehens.

Ein Ahornblatt in Händen und vor Augen ertönt seine, von zu wenig Nutzung und zu kurzer Nacht, brüchige Stimme: „Noch bräunlich oder schon grau?“

„Wieso fragst du mich nach deiner Meinung?“, schmunzelt seine Muse hinter ihm.

„Du hast die angenehmere Stimme.“ Der Autor nun stehend, den Blick in ihre Richtung bringend, die Gestalt seiner Liebe, seiner Muse vor Augen – immer vor Augen – obgleich sie fehlt.

„Übersieh nicht das Grün.“, säuselt sie, wie Staub im Wind.

Die Stirn in Falten, eine Frage auf den Lippen, das Blatt schon vergessen – nicht vermissend – verlässt seinen Griff… segelt kaum… fällt gar, vom Regen schwer, zu Boden. Die erlebte Erinnerung schon verweht, noch bevor der Autor seine Sprache wiederfinden kann.

Ihm bleibt die dröhnende Straße in den Ohren… die Nässe auf der Haut… die Leere… das Schweigen… das Warten.

Katze4dies ist/wird Fortsetzung von „im Entsehen begriffen“

noch zu Gast?

und wieder in diesem Haus

das da unverändert steht seit 20 Jahren

und nichts ist mehr wie früher

und doch ist alles gleich

 

sie fehlt

 

die Zimmer nun im Wandel

ein Umbruch, ein Austausch

für Neues, für andere Menschen

kein Raum mehr für den Gast

 

nur sie fehlt

 

es gilt auszuweichen, klein machen

bloß nicht stören

bloß niemals stören

zumindest das blieb gleich

 

und sie fehlt

 

ihr Platzt ist leer und wird es bleiben

sie fehlt auch mir und darf nicht fehlen

ists unerhört, unerlaubt, unsagbar gar

die Zeit muss es richten

 

doch sie fehlt

 

Teil der „zu Gast“ Reihe

Katze4 in der Stille

Katze4nun

 

 

 

 

 

 

 

denn

Szene mit dem Kinn unter der Decke und dem Ohr an der Wand

Er erwacht.

Er will dies nicht; er schreckte hoch.

Nicht die Nase verrät ihm diesmal den Grund des ungeplanten, unerwünschten Erwachens, sondern die Ohren.

Obgleich zugestopft, ein ständiges Lauschen, ein Wachen, ein Warten.

Das Bienenvolk in der Außenwand, die Mücke vom Vorabend, das Ticken der Wanduhr, die Bewegung des Nachbarn, der Verkehr vor dem Haus… nicht wirklich gehört, vielmehr erahnt. Eingebrannt in die Nerven, lebendig in seiner Vorstellung.

Erneut ein Krack, dann ein Rollen über Dielenfußboden; keine Einbildung angespannter Sinne, der Nachbar ist wach und ließ etwas fallen offenbar.

Er spitzt die Ohren… ein Klack Klack von Schuhen, ein Knarksen – Tür öffnet, ein Klappen – Tür schließt, ein Poltern im Treppenhaus, ein letztes Klappen… Ruhe.

Ein tiefer Atemzug, ein Umdrehen, ein Wieder-in-den-Traum-finden-wollen.

Denn im Traum kann er sich einbilden, er wäre nicht allein, er würde sie nicht vermissen, er hätte nicht zu viel Zeit und doch zu wenig irgendwie – er wäre kein Autor ohne Muse.

Das Kissen neben ihm noch immer kalt und voll von ihrem Duft; seine Liebe, seine Geliebte, seine Muse…

Den Nachtschweiß noch auf der Stirn, tropfend von der Nase, klebend am Rücken.

Nicht nur das T-Shirt mehr als feucht; ein Albtraum?

Nein.

Ein Erinnern an Vergangenes, an Vergänglichkeit, an Hoffnung zugleich; auf mehr…

 

Katze4dies ist/wird Fortsetzung von „im Entsehen begriffen“