einfach

lange worte

kompliziert

große gedanken

schwer

wiegend

im wind

wandernd, säuselnd, einflussreich

zu boden fallend mit gewicht

 

 

in Erwartung der Stille

im Hoffen auf, beim Erwarten dass, dem Sehnen nach

einer Stille, meiner Stille

ohne Stillstand

einatmen

 

und über mir des Nachbarn Schritte

und neben mir das Kühlschranksurren

und um mich rum der Straßenverkehr zu nah

eins, zwei

 

ein stetig beben

ein ständig vibrieren

ein haltloser Lärm

ausatmen

 

ein senken, versenken, versinken in sich

in mich

für’s erste

ruhen

 

 

 

keiner siehts. eine(r) spürts

das man nicht die Augen verschließt – nicht vor der Welt, nicht vor sich selbst

das man sich vor Vorwürfen schützt – gegen die der Welt, gegen die eigenen

das man erkennt alles wird gut – auch wenn es nie mehr so sein kann

das man versteht man ist nicht allein – obgleich es sich so anfühlt

das man sich erlaubt auch mal allein zu sein, traurig zu sein, enttäuscht zu sein, es nicht zu verstehen, zu vermissen was war und nicht wieder kommt, wütend zu sein, verzweifelt, verängstigt… kein Sein im Hypothetischen – man vergisst es zu oft,

das Du, das Wir, das Ich…

doch auch das ist wichtig, das Reale, das Pronomen im Du, im Wir, im Ich… denn ja du bist stark – so viel stärker als du selbst je vermutet hast – und doch kann es sein – wird es sein – dass du dich umblickt und die Welt nicht mehr erkennst – von der Welt nicht mehr erkannt wirst. und all das ist normal und all das gehört so und all das musst du verstehen – einsehen – für dich selbst – für alle anderen. und nein, du bist nicht allein – auch nicht im Wir – doch ein jeder erlebt es anders – niemand ist gleich – nicht im Leben, nicht in der Welt, nicht im Gesundsein, nie in der Krankheit…

Heute ist Welt-Multiple Sklerose-Tag

 

es gibt da so Tage

es gibt da so Tage

so Momente

nicht viele

zum Glück

 

was?

nein das kann nicht sein

oder doch?

wenn du das sagst, muss ich dir wohl glauben

 

und dann brannte das Zimmer

ja aber nur beinahe

und dann flutete ich die Wohnung

ach, so oft kam das nun auch noch nicht vor

 

woran sollte ich denken?

wie sah es noch gleich aus?

muss ich das wissen?

sollte ich das erinnern?

 

und wer ist diese Frau?

die zerfallene Frau da drüben

da fast ganz nah

da im Spiegel vor mir

 

denn es gibt da so Tage

die gehören dazu

doch sind es nur Tage

nur Momente, nur Ausschnitte – nicht alles, nicht immer – nur so Tage, nur so fast

weiter, weiter

ich dreh‘ mich nicht um

denn ich seh‘ nicht um mich

sonst müsst‘ ich erblicken

was mich würd‘ halten zurück

 

drum geh ich nur vorwärts

und bleib niemals steh’n

denn ich könnte erstarren

und nie mehr weitergehen

 

doch es soll nur nach vorne

und niemals zurück

kein Zweifeln erlaubt

beim Suchen, beim Finden, beim Hoffen, beim Träumen…

 

 

nach_sinnen

nun da die Kraniche zurück sind,

erinnere ich mich meiner liebsten Zeit

nun da die Störche ihr Nest erneut bestücken,

sinne ich mich nach damals

 

und es ist ein Suchen und Sammeln

ein Herzen und Wachen

ein Teil vom Ganzen

ein Lüftchen im Haar

 

eine Erinnerung an Vergangenes

ein nun mehr Beobachten, ein Lauschen, ein Ahnen

und auch wenn es nie mehr wird sein, wie es einst war

es ist und bleibt ein Hochgefühl

 

un_Erkannt (1)

Oh bitte erkenne nicht meine Schwächen…

Sieh nur nicht zu genau hin, denn dann wirst du sehen, wie mein Lächeln doch eher einer Grimasse gleicht. Wie ich lauthals lache, um nicht zu weinen unter deinem Blick. Wie ich stolz die Brust herausstrecke, damit du nicht ahnst, dass ich doch lieber zusammengekauert in der Ecke verweilen möchte. Wie ich renne, dass du das Hinken meines Ganges nicht bemerken kannst. Wie ich handle, wie ich stets dem Aktionismus verfallen, stets auf der Suche nach Neuem bin, damit du nicht merkst – damit niemand merkt – wie ich vor Angst fast erstarre, wie sehr mein Sein verklebt, mein Geist verdunkelt ist…

Wie ich hoffe auf Hoffnung. Wie ich mich sehne nach Sehnsucht. Wie ich vermisse das Vermissen.

Oh bitte erkenne nie meine Schwächen, sonst bin ich gezwungen diese selbst zu erkennen.

„Was soll das bedeuten?“, unterbrach ihre zittrige Stimme des Autors Reverie.

„Hm? … Sprach ich laut? Schon wieder laut?“

Des Autors Muse nickt diesem bloß hilflos zu.

„Das…“, so lächelt er sie herausfordernd an, „… ist der Beginn meines neuen Werkes.“

Sie schweigt ihm entgegen.

Der Autor ergreift, sich nun seinerseits hilflos fühlend, ihre linke Hand. Er spürt wie diese eiskalt ist und nur schlaff in der seinen liegt.

Minuten vergehen bis sich die Finger der Muse endlich mit den seinen verschränken. Bis die Kälte verfliegt. Bis sie, seine einzige Liebe, seine Geliebte, seine Muse, ihm letztlich fest in die Augen blickt mit so etwas wie Zuversicht, mit schon fast einem Lächeln.

„Nun gut. Wenn dem so ist. Dann auf zu einem neuen Werk.“, durchbricht sie die Stille, das Schweigen, die Anspannung, „Ein Auftragswerk? Nein. Ein Bedürfnis. Ich sehe es genau… Doch wo ist der Szenenaufbau? Die Regieanweisung, die all deinen Werken innewohnt? … Es muss doch schließlich erkannt werden, dass es Gemacht ist, dass es Fiktion ist im aristotelischen Sinne und dass die Art des Schreibens, des gesamten Textaufbaus auf sich selbst aufmerksam macht, ja machen will – ganz so, wie es heißt, dass man dadurch Literatur, dass man Kunst als solche erkennt…“

„Ich habe dich vermisst.“, entweicht es beinahe unhörbar des Autors spröden Lippen.

Und nun wieder Stille. Schwer. Durchsetzt von all dem Unausgesprochenen. Doch zugleich aufgeladen. Zum Bersten gespannt. Sich selbst im Klaren, dass jeden Moment etwas geschieht.

Zwischen den Szenen. Vor einem überladenen Schreibtisch unter fahlem Licht

Ein Mann mittleren Alters – ein Autor – die zu dünnen Finger verzahnt mit denen seiner Muse, führt diese schweigend zu einem schweren Tisch aus Metall. Einst war dieser aus Holz, doch die Zeit und sein Leben ließen ihn verhärten, erkalten, sich seiner Umgebung anpassen und beinahe die Gesamtheit des Raumes einnehmen.

Dieser Tisch – Sinnbild seines Seins, Platz seiner Arbeit, Fixpunkt seines Tuns – ist inzwischen verstaubt, ja fast klebrig, ist vergraben unter Notizen, unter Essensresten, unter halbgeleerten Gläsern, unter all seiner Verunsicherung.

Zu laut schweigend steht das Paar also da. Vor diesem exorbitanten Tisch mit all seinen übergroßen Erwartungen und überhäuft mit einer Überlast von Möglichkeiten, beinahe übermannt durch eine grellbunte Klarheit vom was sein sollte… könnte… wird.
Und mit einem Gefühl der Sicherheit, an die er selbst kaum mehr geglaubt hatte, lockert der Autor letztlich seinen zu festen Griff um die zarten Finger seiner Muse, seiner Geliebten, seiner Liebe.

Er will sie nicht zwingen bei ihm zu stehen. Denn er wünscht sich, dass sie ihm ungefragt beisteht.

Lange Sekunden und absichtlich tiefe Atemzüge ziehen vorüber und legen sich mit dem Staub über die Kälte des Schreibtischs… bis endlich die Finger seiner Liebe, seiner Geliebten, seiner Muse die seinen fest – nicht zu fest – umklammern.

Nur schwach, jedoch nicht zu schwach, beleuchtet vom Licht des angebrochenen Tages, das den Weg durch ungeputzte Scheiben kaum findet, stellen die beiden – die Muse, der Autor… die Stimme, der Stift – sich schließlich Hand in Hand das Chaos zu ordnen.

Fortsetzung folgt

 

Logo Katze Mathilde GläserDies ist als Fortsetzung von „im Entsehen begriffen“ und „im Selbst_Gespräch“ geplant.

(fast noch) in der Frühe

und nun sitze ich hier und genieße den Morgenkaffee

in der Morgensonne

umgeben von Morgenkälte

 

und nun sinne ich all dessen

was da ist gut und beschaulich

was da gehört niemals vergessen

 

und nun umspielt die Lippen ein Lächeln

ein Glänzen im Auge

ein Öffnen vom Geist

 

und schon zieht herauf der düstere Himmel

der beißende Wind

die Gewissheit vom Müssen, von Alltag, von Pflicht

 

und kurz will es fallen

das Lachen in mir

mich trüben, bedrücken, beengen und mehr

 

und doch wird es Sein ein Morgen wie immer

und doch ist es gut, auch wenn es nichts nutzt zu hoffen, zu bangen, zu warten aufs Neu

und ein Schluck noch vom Kaffee, ein Blick hin zur Sonne, ein Freuen des Zwitschern der Vögel im Strauch

 

und bald schwindet der Morgen

wie Stunden im Glas

nun will ich ihn starten

letztendlich den Tag

 

 

früh_Gedanken

… und wenn also das Leben nur noch von vergessen geprägt scheint und alles, was bleibt lediglich ein Nachbeben, ein Schatten im Augenwinkel, ein ungreifbares, ein unbegreifbares Etwas… bloß ein Gefühl ist, dann soll dies auf immer ein positives bleiben!

… und so wird es im Herzen getragen werden, in den Augen zu finden, vom Mund abzulesen sein,

… denn ich möchte es teilen,

… dann wird es bewahrt.

… und wenn also mein Leben vergisst, so wird es doch gelebt und geliebt

das postive Gefühl…

mit dir

Mit dir als Vorbild

 

Bin ich eins mit der Welt

Sehe ich klarer denn je

Habe ich den Mut voranzuschreiten

Durchströmt mich Kraft

Will ich höher hinaus

Werde ich immer ehrlich sein

Kann ich den Lieben, den Bekannten, den Fremden entgegentreten

 

Kann Lachen, darf Weinen

Bleibe stark

Bin schwach ohne Reue

Habe Geduld, nehme mir Zeit

Werde leben im Hier, im Jetzt, nie zurück, stets nach vorn

 

Mit dir als Vorbild könnte ich so vieles…

ein…

ein Leben hat Kurven – nicht immer sanft, nicht immer im Gleichklang mit den Lebensträumen… mit den Wünschen und Vorstellung…

ein Kreisel allzu oft – ein Strudel gar, ein Sog in Unklare, ins „Wer weiß was kommt?“…

ein Hoffen und Bangen – ein Festkrallen ans Gewohnte, ans doch so deutlich Vorbestimmte…

ein Stoßen auf Hindernisse – auf Mauern, Gräben, aufklaffende Mäuler mit scharfen Zähnen und spitzen Zungen…

ein…

ein Leben hat Kurven – die sanft werden, blickt man nicht nur noch zurück, lebt man im Hier und Jetzt, nimmt man sich dem Neuen an…

ein wieder Träumen…

ein neue Wünsche haben…

ein andere Vorstellungen entwickeln…

ein Recht zu Hoffen…

ein sich nicht nur Fügen – ein Kämpfen für sich und was geliebt wird…

ein niemals Aufgeben…

Momentaufnahme

Lebe nur im Augenblick sagen sie…

Blicke nie zurück…

Träume nicht nach vorn…

Alles was Bedeutung hat, ist der Moment!

Doch…

Betrachte ihn nicht von allen Seiten… du verschreckst ihn bloß

Halte dich nicht an ihm fest… er verblasst zwischen den Fingern

Teile den Moment mit anderen… so bleibt er im Gedächnis

zur Kunstsammlung Katze4