ver-Abschied-en

Abschied ist etwas Unschönes; ganz gleich, wie alt man ist oder wie viel „Erfahrung“ man damit zu haben glaubt.

Erreicht man aber erstmal dieses Alter, welches nach den Kindheitstagen mit deren Unbeschwertheit und nach der Jugend samt ihrer Ruhelosigkeit folgt, merkt man (merke ich), dass Abschied, dass das Ende von Dingen, Erinnerungen, Menschen, Liebgewonnenen eine Notwendigkeit des Lebens darstellt und dass man den Abschied, das Verabschieden, das Abschiednehmen sogar verkraften lernt; mit der Zeit.

Das macht es kaum leichter, lediglich klarer!

Abschied kommt, wenn die Kraft fehlt, weiterhin festzuhalten.

Abschied bringt Veränderungen; das Entwinden verknüpfter Lebenswege.

Abschied tut weh!

Abschied sollte wehtun, sonst würde man sich selbst mit verlieren beim Abschiednehmen.

Am Abschied kann man wachsen.

Es tut trotzdem weh!

Wenn man lange genug lebt, erkennt man (versuche ich zu erkennen), dass Abschied auch etwas Befreiendes haben kann. Wenn nicht für einen selbst, so doch zuweilen für den sich Verabschiedenden. Denn manchmal muss man sich lösen, um weiterzugehen, um zu wachsen.

Und versteht man das, wächst man auch als Zurückgelassener.

Ein Blick

Nur ein Blick…

Wer ist diese Person, welche mich so eindringlich ansieht?

Es muss eine Frau sein, zumindest geht man nach den primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen… sicher diese geben keine eindeutige Zuordnung preis, doch auch die Breite des Beckens und die Form der Taille sprechen dafür.

Ihr Alter kaum zu erahnen; älter inzwischen, wenn den ersten Falten, die eventuell zum Lachen anregen, aber nicht davon herrühren und den vereinzelten, weil schon länger nicht mit Farbe verjüngten, grauen Haaren zu trauen ist.

Starr und gleichzeitig fliehend ihr Blick; mit müden Augen, in denen noch die Glut eines einstigen Aufruhrs zu liegen scheint.

Ein Gesichtsausdruck ohne die Gedanken dahinter wirklich zu verraten.

Die Körperhaltung mehr einer Krümmung gleich; die Muskulatur stets unter Spannung gepaart mit der Leichtigkeit eines Tieres auf der Flucht.

Ein Fluchttier; sich nie sicher fühlend, ständig auf dem Sprung befindlich und permanent in die Ecke gedrängt.

„Im Leben ist es wichtig sich einfach zu schütteln und unbeirrt voranzuschreiten, stößt man auf Hindernisse! … Sie machen auf mich den Eindruck genau das zu tun.“

Ein kurzes Lächeln zu dem Gegenüber bevor der Blick zurück zum Spiegel schweift.

Das Photo

Tage waren bereits vergangen seit ihrem Fortgang; ihrem Antritt des letztmöglichen Weges. Tage hatte ich mit warten verbracht.

Zu warten war keine neue Erfahrung, aber dieses spezielle Warten… wie bestellt und nicht abgeholt… Tage voller Beschäftigung und doch konnte ich mich nicht bewegen. Ein Stillstand, dem Warten gleich in dessen Unbekanntheit.

Stille in aller Unruhe… vollkommene Ruhe im geschäftigen Treiben um mich herum… und nur dieses Warten.

Das Auswählen der Kleidung ein Kampf. Was ist angebracht? Nie hatte ich ernsthaft darüber nachgedacht; immer gehofft es niemals zu müssen. Vermutlich war es schließlich zu viel des Guten; alles in schwarz bis herunter zur Wäsche… doch ich wusste nicht was tun.

Quälende Fragen nach den richtigen Worten. Welche sind angebracht? In den Tagen voll des Wartens hatte ich nicht daran gedacht, dass auch Worte wohl dazu gehören. Letztlich hüllte ich mich in Schweigen… ich schwieg und blieb scheinbar regungslos… ein Warten ohne zu wissen worauf,

bis ich das Photo sah, welches auf dem Sargdeckel thronte und mir mit einem verschmitzten Lächeln entgegenblickte.

Ich hatte dieses Bild vorher nie gesehen, es muss einige Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte alt gewesen sein… auf dem ersten Blick wirkte sie fast zu ernst; ein wenig verklärt sogar… maskenhaft… doch dann diesen feine Lächeln; der rechte Mundwinkel leicht erhoben… und mit einem Male konnte ich es auch in ihren Augen sehen, welche so unbekannt klar erschienen… so klar, fast prüfend und doch amüsiert; ganz wie ich sie in ferner Erinnerung hatte.

Erinnerungen lösten die Stille und das Warten ab… gefolgt von der Gewissheit, dass die Stille und das Warten nun meine Begleiter sein werden bis ich sie einst wiedertreffe…

Wort-Spiel-erei

SELBST

Selbstverständnis                     Verstand

Selbstvertrauen                          vertraut

Selbstzweifel                      zweifelsohne

Selbstwertgefühl                        wertvoll

Selbstbewusst                     Bewusstsein

Selbstschutz                             schutzlos

Selbstlos                                     losgelöst

Selbstzweck                               zwecklos

Selbstsicher                            Sicherheit

Selbsthilfe                                      hilflos

Selbstsucht                                   süchtig

Selbstversuch                                 Suche

Selbstkritik                                       Krise

Selbstmord                                   modrig

Selbstständig                           standhaft

Selbstbild                                      Bildnis

Selbsterkenntnis                   Kunstgriff

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