Es war einmal…

Ohne Poesie läßt sich nichts in der Welt wirken. Poesie aber ist Märchen. (J.W. Goethe)

Ich mochte unseren Familien-Weihnachtsbaum.

Wenn ich angestrengt nachdenke, erinnere ich mich sogar an die Zeit, da dieser nicht künstlich war. Da er echte Nadeln abwurf nach den Feiertagen und da es richtige Kerzen waren, die mein Kinderherz erwärmten. … An einen natürlichen Geruch nach Wald, fast modrig und doch einladend, kann ich mich nicht entsinnen, aber sicher gab es diesen.

Der Baum war geschmückt mit Glaskugeln, ob die Holzfiguren und das Lametta noch zur Zeit des echten Baumes gehörten, weiß ich nicht, aber die Kugeln aus Glas, welche zu leicht zerbrachen, erinnere ich…

Als die Zeit ins Land zog und uns die Moderne erreichte, veränderte sich nicht nur das Fernsehprogramm sondern auch der Baum wurde künstlich und überladen; mit eben jenen Glaskugeln, Holzfiguren, silberner Lametta und einer Lichterkette, die keine Brandgefahr mehr darstellte. Der Standfuß wurde zusammengesteckt genau wie die zwei Hälften des Baumes und nach Ausrichten der Äste wurde dieser kleine, aber haltbare Baum stets am Heiligen Abend geschmückt und am Neujahrstag wieder in den Karton getan.

Ich mochte auch diesen Baum. Er stellte ein Sinnbild für das Vergehen dar, für die Veränderung um uns herum… so wurde ja schließlich aus den Glaskugeln mit der Zeit Plastik, aus Lametten eine Perlenkette und aus echten Kerzen Kunstlicht. Denn Plastik erschien nicht so zerbrechlich wie das Glas und die Familie, die nicht immer gemeinsam um den Baum herum sitzen konnte. Die Perlenkette hielt zusammen wie die Menschen, welche trotz der Realität, die auch zu Weihnachten einzug hielt, immer wieder zueinander fanden. Und das künstliche Licht, ähnlich der Feiernden, konnte nicht wie die Kerzen von einem stärkeren Windstoß erloschen werden oder gar den Baum und das Zuhause entzünden.

Zwangig Jahre hielt der Baum; auch wenn die Nadeln letztlich abzufallen begannen. Stets zeigte er sich unverändert und doch immer der Familienstimmung angepasst in einem anderen Kleid. Immer von Heiligabend bis zum Neujahrtag.

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