in diesem fremd_bekannten Leben

wandernd durch eine neu_bekannte Welt

umgeben von un_bekannten Gesichtern

vernebelt klar, ob Freund

ob Fremd

ob Verwandt

 

ob Du

ob ich

 

denn in dieser meiner neu_verfremdeten

neu_erkannten

un_bekannten

Welt

die könnte sein ein Traum für jene

ein Witz vielleicht sogar für andere

schweife ich dahin

erkenne nichts und niemand wieder

treffe so stets auf neues und damals doch sicherlich einmal bekanntes

 

und frage mich nicht mehr

und denke nicht mehr zu sehr darüber nach

 

denn Sinn und sinn_los

hier und da

gestern, heute, morgen

jetzt, noch nicht, nie mehr

liegen vor mir in sich vereint

verkneult

verklebt

zerrüttet und zerrieben

un_bekannt und fremd_bekannt wie diese LebensWelt um mich herum

 

 

 

einer Erinnerung zufolge

Zeit, die ich sicherlich habe

rinnt, fließt, treibt,

zerreibt es zwischen meinen Finger_spitzen

 

es zittern

die Wände, die Schränke, das Bild

von uns

 

das Gebilde

was geformt aus Erinnerungen nun halb verschüttet

wie zerbröckelte Momentaufnahmen

 

scheinbar abstrakte Kunst wo doch immer Impressionismus

wo doch Tuperln, sanfte Töne, umspielte Landschaft einst

jetzt grell und laut, bald frei von Form

 

nur ewiger Streit,

ein Kleinkrieg aus Wort_fetzen und Grimassen

bis zur Entstellung vom Einst

 

drum schließ ich die Augen, denn zu fiel die Tür

drum umklammere ich die versprengte Zeit

haltloser Augenblicke

 

die waren

nicht sind

wohl nie sollten sein

ich mag ja Kaffee ganz gern

und wieder sie zwitschern

die Vögel

und laut da lachen

die Kinder

es neigen sich drohend

die Bäume

verwirbeln sich wild

Blumen und Haar

 

nur leider da rauscht

der Verkehr

es wackeln die Gläser

im Schrank

es bebt bald die Wand

vibriert schon der Tisch

erzittern die Seiten im Buch

 

ich mag ja Kaffee am Morgen

und schließe die Fenster

 

bei Sonnenschein und Trübsal blasen

Das Leben hat Kurven, Stolpersteine, Kanten, Mauerwerk, reißende Ströme, Berge und Löcher…

drum nimm meine Hand

ich greife nach deiner

so dass wir einander aufrichten, uns hochhelfen, die Luft uns teilen bevor sie noch ausgeht, uns stärken und schützen, uns stützen und halten…

 

 

 

so hinter Glas und in Gedanken

Stunde um Stunde verbracht mit Lesen

mit Sehen

mit Erfahren

mit Erleben

mit Dazu_Lernen

 

und jede Erkenntnis bringt neue Fragen

bringt die nächste Aufgabe

aber auch die kommende Gelegenheit

 

um zu verbringen Stunde um Stunde mit allem erneut

mit dem Erweitern des Bildes

dem Finden von Neuem

dem Erkennen von Altem

 

denn man lernt nie aus

und so sollte es sein

 

 

früh_gedanken (2)

nun da endlich ist

 

Sonnenschein und Milde

Vogelgesang und KöniginnenGesurr

Nestbau und Bausuche

erste BlütenFarbtupfer neben vergessenem Herbstlaub

LebensWiederbeginn in einem fort

 

werden auch wir sein

im Aufblicken

im Durchatmen

im Zueinanderstehen

im Warten auf Bald

 

Wenn man das Schlechte weglässt, geht’s mir gut… von einem Leben in Floskeln_eine Wiederholung zu Ehren

Meine Oma hatte für fast jede Lebenssituation eine passende Redensart… und so wurde ich auch geprägt durch ihre Teilhabe an meiner Erziehung und wuchs auf unter ihren wachsamen Augen, mit dem Reglement von Herrn von Knigge, stets gepaart mit einprägsamen Floskeln und dem Hinweis langsam und laut zu sprechen – nicht dass mir dies je gelungen wäre; ich sprach stets zu schnell und zu leise, später oft zu laut, aber immer noch zu schnell…

Zog ich nun eine Schnute, da mir was nicht passte, hieß es also „Da ist die Zuckerpuppe von der Bauchtanztruppe…“

Ein Streit unter Geschwistern wurde mit „Ein Bruder und ’ne Schwester, nichts schön’res auf der Welt…“ kommentiert.

Hatte ich mich verletzt, so war es „bis zur Hochzeit wieder gut“.

Wollte ich einer Sache mit Argumentation entgehen, wurde ich daran erinnert „warum der Teufel seine Großmutter erschlagen hat“.

Geriet man in Zeitnot so sollte man „nur keine Hektik nicht vermeiden“ und außerdem „fangen morgen wieder Hundert Tage an“.

War ich für bestimmte Dinge noch zu jung, so durfte ich zwar „alles essen, aber nicht alles wissen“.

Am Tisch sitzend, wurde stets darauf geachtet, dass man „den Löffel zum Mund und nicht den Mund zum Löffel führt“.

und so weiter und so fort…

Da wir in einer Welt der Redewendungen zu leben schienen, sog ich diese natürlich nicht nur bei meiner Oma in mich auf.

Noch heute kann ich nicht anders handeln, als mit meinem Gegenüber mein Essen oder dergleichen zu teilen, denn die Schallplatte, die bei uns vermutlich auf Dauerschleife gelaufen sein muss, löste in mir fast schon einen pawlowschen Reflex aus, denn „teilen macht Spaß, wir teilen dies und das.“

Man kann sich natürlich streiten, wie viel Gewicht Floskeln in der eigenen Lebensführung einnehmen sollten und oft genug sind es sicher diese „formelhaften, leeren Redewendungen“, vor denen im Duden gewarnt wird. Doch wenn es darum geht, dass allgemeine Miteinander nach der Prämisse des „behandle andere so, wie auch du behandelt werden willst“ zu gestalten und sich auch durch schwieriger Zeiten nicht unterkriegen zu lassen, denn „am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, so ist es noch nicht zu ende.“ haben manche klugen Sprüche durchaus ihre Daseinsberechtigung.

Und wenn es nur darum geht unbequemen Fragen, wie die nach dem eigenen Wohlbefinden mit den Worten „wenn man das schlechte weglässt, geht’s mir gut“ zu umwandern, damit man sich auf die schönen Dinge konzentrieren kann, so wie Oma es letztendlich tat oder eben das Gespräch mit einer augenzwinkernden Aufforderung zur Tätigkeit zu beenden durch den Ausspruch „mach heute noch was, dann brauch ich es nicht zu tun.“

Eine Weisheit für jede passende und unpassende Gelegenheit liegt auch mir tagtäglich auf der Zunge und ich werfe ungefragt mit diesen um mich. Denn man sollte ruhig angesehenen Menschen mit ihren ebenso ansehenswerten Aussagen huldigen…

schließlich sagte schon Heine: „Weise erdenken neue Gedanken, und Narren verbreiten sie.“